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Samstag, 3. Januar 2009

Palästinenser in Deutschland

Von Christiane Schlötzer

Nachts fielen die Bomben, nun ist das Dach weg: Eine Deutsche und ihr palästinensischer Mann haben die israelischen Angriffe im Gaza-Streifen knapp überlebt - in Köln schäumt deren Sohn vor Wut.


Gaza-Streifen knapp überlebt - in Köln schäumt deren Sohn vor Wut.

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Demonstration von Palästinensern am 29. Dezember in Berlin Foto: ddp


In Gaza, so haben Rami Abu Sittas Eltern ihrem Sohn gesagt, "gibt es für dich keine Zukunft". Nun sitzt der 24-Jährige in seiner Kölner Wohnung und kann sich nicht lösen von den Bildern, die ihm der arabischsprachige Kanal Al-Dschasira oder die Webseite der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa liefern.

Sie zeigen auch ein Haus, dessen eine Hälfte fehlt, ein Haus ohne Dach. Abu Sitta kennt es gut, es ist das Haus seiner Eltern.

In der Nacht zum Dienstag fielen die Bomben, nicht direkt auf das Gebäude der Familie, aber auf die nur 30 Meter entfernten Hochhäuser, in denen das Außen- und das Finanzministerium der Hamas-Regierung in Gaza untergebracht waren. "Die sind nun komplett zerstört", sagt Rami Abu Sitta.


In der Nacht um drei Uhr hat er seine in Gaza lebende Mutter auf dem Handy erreicht, sie war unverletzt geblieben. Mutter, Vater und Großmutter waren zum Glück in den Keller gegangen. Anke Abu Sitta ist Deutsche, sie leitet das Verbindungsbüro des Auswärtigen Amts in Gaza.

Eine richtige Botschaft gibt es in den Palästinensergebieten nicht, es gibt ja auch keinen palästinensischen Staat. Aber in Ramallah im Westjordanland und in Gaza unterhält Deutschland Vertretungen. "Es gibt noch vier deutsche Frauen in Gaza und 120 Palästinenser mit deutschem Pass", hat Rami Abu Sitta von seiner Mutter erfahren. Auch wenn sie wollten, könnten die Deutschen Gaza nicht verlassen, weil die Grenzen dicht sind.

Etwa 200.000 Palästinenser sollen in Deutschland leben, darunter viele Jugendliche, deren Eltern sich ein besseres Leben für ihre Kinder wünschten, wie die Abu Sittas. Vater Fawaz ist Wirtschaftsprofessor, seine Frau hat er einst beim Studium in der DDR kennengelernt.

Die beiden gingen 1982 nach Gaza. ,,Meine Eltern haben mich zum Frieden erzogen‘‘, sagt Sohn Rami, "aber jetzt fühle ich Wut und Hass ohne Ende". Das klinge nicht schön, "das weiß ich", fügt er hinzu, Gewalt erzeuge jedoch Gegengewalt. "Ich fühle mich total machtlos, ich vermisse meine Familie, meine Freunde."

Rami Abu Sitta wird fast verrückt vor Sorge und Angst. Am liebsten würde er nach Ägypten fahren, an die Grenze zu Gaza und am Übergang von Rafah versuchen, irgendwie durch einen der vielen Tunnel nach Gaza zu gelangen. "Ich weiß, das ist verrückt."

Rami Abu Sitta kam 2002 als 18-Jähriger nach Deutschland, allein. "Mir war vorher nicht klar, wie schlimm das ist, wenn man plötzlich ganz einsam ist", erinnert er sich.


"Die verlorene Generation" werden die jungen Palästinenser häufig genannt, die nie etwas anderes kannten als ein Leben zwischen israelischer Besetzung und palästinensischer Intifada, zwischen politischer Entmündigung und dem Druck der Radikalen.

Die Gaza-Besetzung begann mit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und endete erst 2005. Seit 2007 wird das schmale Küstengebiet am östlichen Mittelmeer allein von der islamistischen Hamas beherrscht.

2006 kam auch Ramis jüngerer Bruder Sliman nach Köln. Die Eltern wollten ihn ebenfalls in Sicherheit wissen. Sliman Abu Sitta soll demnächst seinen Zivildienst beginnen.


Mittwoch, 15. Oktober 2008

AKKA, die Stadt des Friedens was passiert mit deinen Einwohnern???

Die Unruhen in der Küstenstadt Akka halten auch nach einer Woche, nachdem jüdische Bewohner der Stadt einen arabischen Autofahrer angriffen, weiter an. Mittlerweile sollen sich mehrere Hundert rechtsextreme Israelis in der Stadt aufhalten, die u.a. arabische Wohnhäuser in Brand steckten. Mehr als 50 Menschen wurden bisher festgenommen die meiste Araber, mehrere Dutzend verletzt die meisten auch Araber.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannten jüdische Extremisten ein arabisches Wohnhaus nieder, nachdem in den Tagen zuvor schon mindestens fünf weitere Häuser in Flammen aufgegangen waren. Aus Angst vor weiteren Übergriffen in der Stadt sind mehrere arabischen Familie mittlerweile auf der Flucht.

Informationen der israelischen Tageszeitung Haaretz sind mittlerweile mehrere Tausend israelische Polizisten in der Stadt präsent und versuchen die Lage unter Kontrolle zu bringen. Arabische Abgeordnete der israelischen Knesset warfen rechtsextremen Israelis vor, eine rassistische Kampagne gegen das arabische Leben in der Stadt initiiert zu haben

Die Unruhen brachen aus, nachdem Mittwochnacht, kurz nach dem Beginn des israelischen Feiertags Yom Kippur, ein arabischer Autofahrer in einem jüdischen Teil der Stadt von mehreren Jugendlichen schwer verprügelt wurde. Israelischen Angaben zufolge habe der Autofahrer die Jugendlichen zuvor durch Autofahren am so einem heiligen Tag provoziert. Im Rahmen der Auseinandersetzungen wurden bisher mehr als 200 Fahrzeuge und 80 Geschäfte zerstört.


Wollen wir weiter hin zuschauen oder schauen wir sogar weg???


Fotos:

bitte Bild anklicken

um mehrere Bilder der Unruhen zu sehen


Samstag, 6. April 2002

Palästinenser in Deutschland - "Da kommt etwas hoch"

04.04.2002

"Da kommt etwas hoch"

Von Süleyman Artiisik


Unter den 200.000 Palästinensern in Deutschland gärt es. Viele von ihnen eint die Wut auf Israel, Lehrer fürchten Zusammenstöße an den Schulen. Palästinensische Organisationen in Deutschland rufen ihre Landsleute zur Ruhe auf.


Berlin – Vergeblich versucht Samira Amin von einem Telefon-Café aus, wo zu günstigen Preisen ins Ausland telefoniert werden kann, ihre Verwandten in Ramallah zu erreichen. "Ich probiere es schon seit Tagen", sagt sie, "doch ich bekomme einfach keine Verbindung." Wie der 53-Jährigen geht es vielen Palästinensern, die vergeblich versuchen, ihre engsten Familienangehörigen in den Krisengebieten Palästinas telefonisch zu kontaktieren. "Ich habe große Angst um meine Familienmitglieder", sagt Amin, "ich möchte doch nur kurz hören und wissen, dass sie noch am Leben sind."

So wie Samira Amin geht es vielen Palästinensern in der Bundesrepublik. Auch Mustafa Shehadeh, Sprecher der deutschen Generaldelegation Palästinas in Bonn, macht sich Sorgen um seine Freunde und Familie, die sich derzeit im besetzten Betlehem befinden. "Sie haben kein Strom und kein Wasser", erzählt er, "ich weiß nicht, wie es ihnen im Moment geht."

Arabische Studenten halten zusammen

In Deutschland leben rund 200.000 Palästinenser. Viele von ihnen kamen als Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Libanon oder Jordanien in die Bundesrepublik. Einer von ihnen ist Mohammed K. Er kam vor neun Jahren aus dem Gaza-Streifen nach Deutschland und studiert derzeit Elektrotechnik an der Technischen Universität in Berlin. "Ich habe zwar eine Heimat", sagt er, "aber ich bin staatenlos". So steht es in seinem Pass.


"Unsere Hoffnung auf einen Frieden in Palästina werden wir niemals aufgeben", sagt der 26-Jährige kämpferisch. Während er erzählt, stimmen ihm seine Kommilitonen, ein weiterer Palästinenser, ein Iraker und ein Ägypter, die mit am Tisch in der Universitätscafeteria sitzen, nickend zu. Die Stimmung ist gereizt, die Wut groß. "Alle Araber sind davon betroffen", sagt Abu-Ahmad M., "wir werden so lange kämpfen, bis wir unser Ziel erreicht haben." Das Ziel sei ein eigenständiger Staat, beteuern sie.


Doch viele Palästinenser fühlen sich von den Deutschen unverstanden. "Wir werden bei unserer Sache nicht genug unterstützt", meint etwa Walid Walid von der Vereinigten Palästinensischen Gemeinde in Berlin. Die Bundesregierung müsse sich stärker als bisher für die palästinensischen Interessen engagieren. "Wo bleibt die Solidarität mit dem palästinensischen Volk", fragt Walid. Für ihn sind die Palästinenser in allererster Linie Opfer. Es könne nicht angehen, dass sie immer wieder zu Tätern gemacht werden - und das schon seit mehr als 35 Jahren.


Gewaltaktionen in Deutschland werden abgelehnt

Die Angriffe in den vergangenen Tagen auf jüdische Bürger oder Anschläge auf jüdische Einrichtungen - wie in Frankreich oder zuletzt in Berlin - werden von palästinensischen Organisationen in Deutschland verurteilt. "Die Proteste sollten sich gegen die Politik Ariel Scharons richten und nicht gegen friedliche und unschuldige Menschen", erklärt Walid. Auch der Vorsitzende der Palästinensischen Gemeinde in Hannover, Raif Hussein, verdammt die Gewalt vonseiten in Deutschland. "Es sind unverantwortliche Taten von Leuten, auf die wir keinen Einfluss haben", sagt er. Hussein äußert die Sorge, dass durch solche Angriffe die Vorgehensweise Scharons nur noch gestärkt werde.


Krise im Nahen Osten erreicht deutsche Schulen


Auch an den Schulen wird der Nahost-Konflikt seit längerem ausgetragen. So fielen arabische Jugendliche öfters durch antiisraelische Sprüche auf, sagt Dieter Haase, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Haase ist Lehrer an einer Schule, wo Jugendliche aus rund 40 Nationen unterrichtet werden, darunter auch jüdische Russen. Die Schüler befinden sich derzeit in den Ferien. Nach der Rückkehr könnte es aber sein, "dass bei einigen Jugendlichen etwas hochkommt," befürchtet Haase.


Für kommenden Samstag rufen mehrere palästinensische Organisationen in Berlin zu einer bundesweiten Demonstration auf. Ihr Motto: "Palästina muss Leben". Die Veranstalter rechnen mit mehreren tausend Menschen. "Wir müssen vordergründig Aufklärungsarbeit leisten", sagt Hussein, "um die Menschen für unser Anliegen zu gewinnen." An seine Landsleute appelliert er, Ruhe zu bewahren.